Umlättern Mathematik Klasse 1 bis 6

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Prävention von Rechenschwäche - Teil I

Im ersten Schuljahr erkennt man Rechenschwäche daran, dass die betroffenen Schüler grundsätzlich in Einerschritten zählen. Struk- turen, die das Zählen in größeren Schritten ermöglichen, werden ig- noriert. Wenn z. B. ein Schüler Ende des ersten Schuljahrs mit zwei Augenwürfeln eine Vier und eine Drei würfelt, müsste er die Zahlen anhand der Augen-Muster simultan erfassen und in zwei Schritten zählen: 4, 7 oder 3, 7. Der rechenschwache Schüler ignoriert die Augen-Muster und zählt stattdessen alle Augen: 1, 2, . . . 6, 7 (Alles- zähler) oder nur 5, 6, 7 bzw. 4, 5, 6, 7 (Weiterzähler), wobei das Weiterzählen ein erster Schritt zum Zählen in größeren Schritten ist.

Darüber hinaus benutzt der rechenschwache Schüler das Zählen in Einerschritten zum Rechnen. Er ignoriert die für das dekadische System angezeigten Rechentechniken. Wenn z. B. ein Schüler Ende des ersten Schuljahrs 8 + 6 lösen soll, müsste er das Ergebnis auswändig wissen oder es in höchstens drei Schritten berechnen (Zehnerübergang). Wenn der rechenschwache Schüler das Ergeb- nis nicht auswändig weiß, ignoriert er die Technik des Zehnerüber- gangs. Stattdessen streckt er nacheinander 6 Finger aus und zählt in Einerschritten von 9 bis 14 (zählendes Rechnen).

Das Beharren auf dem Zählen und Rechnen in Einerschritten ist aus der Sicht des rechenschwachen Schülers nicht unbegründet. Mit diesen Verfahren kann er nämlich im Zahlraum bis 20 fast alle Auf- gaben erfolgreich bearbeiten. - Im Übrigen ist das Beharren auf einem vertrauten Verfahren kein spezfisch kindliches Verhalten. Jeder Erwachsene wird sich an Situationen erinnern, in denen er eine Strategie erst aufgab, nachdem sie sich als ungeeignet erwies.

1. Zählen in größeren Schritten: Den Übergang zum Zählen in größeren Schritten müssen wir bereits im ersten Schuljahr durch zwei Maßnahmen anbahnen: (a) durch Übungen, in denen wir das Zählen in Zweier-, Dreier- und Viererschritten thematisieren und (b) indem wir bevorzugt Unterrichtsmittel einsetzen, die das Zählen in Fünfer- und Zehnerschritten vergegenständlichen. - Näheres hierzu findet man im Abschnitt Zähltechniken .

Zu (a): Auf der DVD Lernmittel Mathematik findet man Unterrichts- mittel zum Zählen in Zweier-, Dreier- und Viererschritten: Würfelau- gen zählen, Bücher zählen, Zwanzig gewinnt. Bild 1 zeigt Bücher zählen, ein Unterrichtsmittel für die Tafelarbeit. Es besteht aus zehn Karten mit 2, 3, 4 Büchern. Ausgewählte Karten werden Schritt für Schritt an die Tafel geheftet. Nach jedem Schritt nennen die Schüler auf ein vereinbartes Zeichen hin die aktuelle Anzahl der Bücher.

Zu (b): Zu den Unterrichtsmitteln, die Zahlen in Zehner- und Fünfer- schritte gliedern, gehören unter anderem die Punktebilder und der Rechenrahmen. Auf der DVD Lernmittel Mathematik findet man Vor- lagen zum Herstellen der Punktebilder für die Tafel und Informa- tionsmaterial zum Gebrauch des Tafel-Rechenrahmens. - Die Punk- tebilder stehen in unterschiedlicher Größe für den Zahlraum bis 20/ 100/1000 zur Verfügung. - Der Lehrmittelverlag Betzold bietet Re- chenrahmen für den Zahlraum bis 20/100 an. - Bild 2 zeigt die Punktebilder für den Zahlraum bis 20 bzw. 100, Bild 3 die 20-er und 100-er Rechenrahmen mit roten und blauen Kugeln.

2. Zahlen darstellen: Beim Darstellen von Zahlen muss man im In- teresse der rechenschwachen Schüler darauf achten, dass die Stan- darddarstellung der Zahl eingehalten wird, denn diese gewährleis- tet das schnelle Erfassen des Zahlwerts. Bild 4 zeigt die Stan- darddarstellung der Zahl 27 als Punktebild, Bild 5 die Standarddar- stellung der 17 am 20-er Rechenrahmen an der Tafel. Gleichwohl kann die Standarddarstellung bei Rechenhandlungen vorüberge- hend verletzt werden. Auf der DVD Lernmittel Mathematik findet man in den Verzeichnissen "Punktebilder bis 20/100/1000 für die Tafel" bzw. "Zahlen und Rechnen am 20/100er Rahmen für die Tafel" Anregungen zum Darstellen von Zahlen durch Punkte/Kugeln.

3. Rechnen: Rechenschwache Schüler erwarten die Vorgabe des Rechenwegs, an den sie sich halten können. Die Vielfalt würde sie eher verunsichern. Sie wären sich unschlüssig, welchen Weg sie bei welcher Aufgabe gehen sollen. Im Interesse rechenschwacher Schü- ler empfiehlt es sich, nur einen einzigen Rechenweg zu vermitteln. Erst wenn dieser gefestigt ist, kann man andere Wege erörtern.

Beispiel: Bild 6 zeigt die Stationen der Lösung von Aufgabe 35 - 17 mit Hilfe von Punktebildern. Tafelanschrieb: 35 - 17. Erster Schritt: Punktebild 35 anheften. Zweiter Schritt: Zehner abnehmen und Fün- fer nach links verschieben, um die Standarddarstellung herzustellen. Dritter Schritt: Fünfer abnehmen. Zehner gegen Achter tauschen. - Tafelanschrieb: 35 - 17 = 18. Fertig. Auf das Anschreiben der Zwischenschritte 35 - 10 = 25 und 25 - 7 = 18 sollte man verzichten und stattdessen eine weitere Aufgabe lösen. - Auf der DVD findet man in den bereits genannten Verzeichnissen Anregungen zum Rechnen mit Punkten bzw. Kugeln.

(C) Wolfgang Reitberger, Berlin
 




Bild 1:
Bücher

Bild 2:
Punktebilder bis 20

Bild 3:
Rechenrahmen bis 100


Bild 4:
Punktebild 27

Bild 5:
Rechenrahmen 17


Bild 6:
Punktebild Subtraktion